Sonderaktion: querstadtein unterstützt den Kältebus

Es ist das letzte Novemberwochenende und es ist bedeutend kälter geworden in Berlin. Das spüren auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der querstadtein-Kältetour, die alle dick eingepackt gekommen sind, um Stadtführer Uwe Tobias in den nächsten zwei Stunden zuzuhören, wenn er von seiner Zeit auf der Straße erzählt.

An der Sandkrugbrücke bleiben wir an einer Parkbank stehen: „Draußen schlafen ist eine Kunst, vor allem im Winter bei minus 17 Grad!“ Uwe macht vor, wie man auf der harten Holzbank eine einigermaßen bequeme Position findet, und man merkt, wie die anderen ihre Kragen noch ein Stück höher ziehen und in diesem Moment niemand gern selbst auf der Bank liegen möchte.

Es sind Augenblicke wie dieser, die die Stadtführung mit Uwe so wertvoll machen. Man kann sich für eine kurze Zeit vorstellen, wie sich das Leben der vielen tausend obdachlosen Menschen in Deutschland zu dieser Jahreszeit anfühlen muss. Denn das ohnehin anstrengende Überleben auf der Straße wird durch die fallenden Temperaturen zusätzlich erschwert: Es gibt in dieser Kältesaison etwa 500 Schlafplätze pro Nacht in den Berliner Notunterkünften. Für die 3000 bis 5000 obdachlosen Menschen der Stadt wird das nicht ausreichen; viele müssen sich anders behelfen.

Um auf die besondere Situation der wohnungslosen Berlinerinnen und Berliner im Winter aufmerksam zu machen, haben wir uns gemeinsam mit den Stadtführern die Sonderaktion der Kältetour ausgedacht: Der Verein stockte für die Aktion die Einnahmen aus dem Ticketverkauf auf und kaufte Schlafsäcke und Isomatten, die am Ende der Tour an den Kältebus der Berliner Stadtmission gespendet wurden. Hier kommen sie den Menschen zugute, die sich nicht in eine Notunterkunft bringen lassen möchten – aus welchen Gründen auch immer.

An der Spree erzählt Uwe, dass Notunterkünfte nie etwas für ihn waren: „Ich habe Platzangst – in Notübernachtungen war es für mich viel zu eng. Dann lieber draußen, immer schön eingepackt in zwei Decken: eine für die Füße und eine für die Nieren. Wenn die kalt sind, könnt ihr den Körper erstmal für ein paar Stunden vergessen. Das dauert ewig, bis man wieder warm ist.“

Als am Ende der Tour die Spenden an den Kältebus übergeben werden, spürt man, wie sich alle darauf freuen, sich gleich zu Hause aufzuwärmen. Sie werden aber auch daran denken, dass viele das nicht tun können, und gehen wahrscheinlich in Zukunft mit anderen Augen durch die Stadt.

Vielen Dank an alle, die dabei waren und an die hartmannvonsiebenthal GmbH aus Berlin für die freundliche Unterstützung!

 

Über die Berliner Kältehilfe

Die Kältehilfesaison geht immer vom 1. November bis mindestens 31. März (je nachdem, wie lange es kalt ist).

Die „Berliner Kältehilfe“ ist ein in Deutschland einmaliges Programm, das 1989 von Berliner Kirchengemeinden und Wohlfahrtsverbänden und von der Senatsverwaltung (damals Gesundheit und Soziales) ins Leben gerufen wurde, um obdachlosen Menschen eine unbürokratische Übernachtungsmöglichkeit während der kalten Jahreszeit anzubieten.

Ausführliche Informationen zu Unterkünften, Zahlen (v. a. Plätze/Betten und Übernachtungen) und mehr unter www.kaeltehilfe-berlin.de.

Den Kältebus könnt ihr rufen, wenn ihr euch Sorgen macht, dass jemand im Winter im Freien erfriert. Bitte sprecht die Person aber vorher an und fragt, ob Hilfe benötigt wird. So nehmt ihr die Leute ernst und ihr ruft den Kältebus nicht unnötig. Ihr erreicht den Bus Tag und Nacht unter der Nummer 0178 523 5838.

Eine Version dieses Artikels erschien zuerst in der Dezemberausgabe des Paritätischen Rundbriefes. Hier könnt ihr das Original lesen.

Foto: Mathias Becker für querstadtein.org

 
 

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