Rückblick auf die Kältehilfesaison 2014/15

Der Frühling kommt, alle atmen auf und auch für Menschen ohne festen Wohnsitz beginnt nun eine neue Phase – die Kältehilfe stellt ihre Arbeit zum 31. März größtenteils ein, viele Notübernachtungen schließen und auch die Nachtcafés gehen in die Sommerpause. Dies nehmen wir zum Anlass ein kurzes Fazit der Wintermonate zu ziehen und einen Ausblick darauf zu geben, was es für Menschen ohne Obdach bedeutet, im Frühjahr und Sommer auf der Straße zu leben.

Der Winter war vergleichsweise milde – erst gegen Ende November gab es ersten nennenswerten Bodenfrost und auch im Dezember lag die Durchschnittstemperatur über Null Grad. Dennoch waren die Temperaturen ungemütlich und es gab einige Nächte, in denen sie auf bis zu minus 25 Grad fielen und besonders im Januar war es sehr nass-kalt.

Die Berliner Kältehilfe beginnt ihre Arbeit jährlich Anfang November und gibt jeden Monat eine Statistik über das Angebot und die Auslastung der einzelnen Einrichtungen in Berlin heraus. Im November gab es pro Tag durchschnittlich 456 Schlafmöglichkeiten für wohnungslose Menschen, die zu 85 % ausgelastet waren. Das Angebot an Plätzen schwankt, denn Nachtcafés haben nicht jeden Tag in der Woche geöffnet – nur Notübernachtungen öffnen täglich ihre Türen. Das bedeutet für wohnungslose Menschen, dass sie nicht jede Nacht am selben Ort verbringen können, wenn sie Nachtcafés nutzen. Als Anfang Dezember der Bodenfrost zunahm, öffneten zwei weitere Hilfsangebote, wodurch sich die Anzahl an Schlafmöglichkeiten erhöhte. Im Dezember gab es pro Nacht im Schnitt 521 Schlafplätze, von denen 99 % in Anspruch genommen wurden. Die Daten für Februar sind noch nicht verfügbar, fest steht jedoch, dass im Januar die Auslastung der Hilfeeinrichtungen fast jede Nacht bei über 100 % lag. Obwohl ein weiteres Nachtcafé und eine weitere Notübernachtung im neuen Jahr ihre Türen öffneten, waren die Übernachtungsgelegenheiten im Januar überbelegt. Die genaue Statistik kann auf der Website der Kältehilfe nachgelesen werden.

Es sind für den Winter 2014/2015 keine Fälle bekannt, in denen wohnungslose Menschen in Berlin aufgrund der Kälte gestorben sind. Das ist auf eine Art beruhigend zu hören, allerdings wurden deutschlandweit sieben Fälle von erfrorenen Wohnungslosen registriert. Diese Menschen sind an den unterschiedlichsten Orten verstorben: im Wald, in scheinbar sicheren Gartenlauben, in Parks, aber auch vor Wohnhäusern oder am Bahnhof. Den vielen ehrenamtlichen HelferInnen und dem großen Engagement aller an der Kältehilfe beteiligten Personen ist es zu verdanken, dass dies in Berlin in diesem Winter verhindert werden konnte.

Nun bricht die wärmere Jahreszeit an, in der das Draußenschlafen nicht mehr lebensbedrohlich ist, aber wohnungslose Menschen ganz anderen Gefahren und Herausforderungen aussetzt. Die meisten Notschlafplätze sind im Sommer nicht vorhanden – in Berlin gibt es zwischen April und Oktober nur rund 100 Betten pro Nacht (aber geschätzte 2.000 – 4.000 von Obdachlosigkeit Betroffene), aber auch in dieser Zeit kann es nachts noch sehr kalt sein. Auch sind obdachlose Menschen auf der Suche nach Orten, an denen sie nach Möglichkeit vor Überfällen und Diebstahl sicher sind. In den Sommermonaten sind viele Menschen nachts Übergriffen schutzlos ausgeliefert und werden immer wieder Opfer von Gewalttaten. Außerdem brauchen obdachlose Menschen natürlich auch im Sommer ärztliche Versorgung, zu Essen und zu Trinken sowie frische Kleidung – besonders die warmen Temperaturen begünstigen die Ausbreitung von Krankheiten und der gesundheitliche und hygienische Zustand einiger auf der Straße lebender Menschen ist verheerend.

Leider rückt das Thema Obdach- und Wohnungslosigkeit in der Öffentlichkeit in den wärmeren Monaten in den Hintergrund, so dass auch die Spendenbereitschaft der BürgerInnen in dem Bereich abnimmt. Dabei sind die meisten Suppenküchen, Wohnungslosentagesstätten und Obdachlosen-Treffpunkte ganzjährig geöffnet. Viele von ihnen sind auf Spenden und ehrenamtlichen Einsatz angewiesen, um ihre Arbeit machen zu können.

Hilf uns, auch im Sommer auf das Thema Obdach- und Wohnungslosigkeit aufmerksam zu machen: Sprich mit FreundInnen und Bekannten darüber und überlege eventuell auch, was du selbst tun kannst. Man kann sich in vielen verschiedenen Einrichtungen ehrenamtlich engagieren: zum Beispiel bei uns, aber auch in Wohnungslosentagesstätten, Kreativzentren oder Suppenküchen.

(Bildnachweis: Jorge Franganillo/FlickrCC BY 2.0)

 
 

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