querstadtein wächst: Flüchtlinge zeigen (bald) ihr Berlin!

Von Beginn an hatten wir die Vision, das Stadtführungskonzept von querstadtein mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Randgruppen durchzuführen, um vielfältige Orte für Begegnung und Austausch zu schaffen und den Blick für aktuelle gesellschaftliche Themen zu schärfen. querstadtein – Obdachlose zeigen Ihr Berlin ist etabliert – wie ihr wisst, laufen die Rundgänge nun bereits seit zwei Jahren sehr erfolgreich, nicht zuletzt dank eurer Unterstützung! Nun ist Zeit für den nächsten Schritt und wir freuen uns, euch heute zu verraten, was wir seit ein paar Monaten planen: querstadtein – Flüchtlinge zeigen ihr Berlin steht in den Startlöchern!

Der Hintergrund: Flucht und Asyl

Globale Krisen zwingen immer mehr Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen und in anderen Regionen der Welt Schutz und ein Zuhause zu suchen. Auch hierzulande kommen sehr viele Menschen an, die nach Sicherheit für sich und ihre Familien suchen – sie flüchten vor Krieg, politischer Verfolgung, Hunger und Armut. Die Zahl der erwarteten AsylbewerberInnen in Deutschland wurde dieses Jahr bereits zweimal nach oben korrigiert, inzwischen rechnet die Bundesregierung mit 400.000 neuen Asylanträgen für 2015 (2014 waren es noch 200.000). Etwa 26.000 neue Anträge werden in Berlin erwartet.

Unser Ziel: Vorurteile und Berührungsängste vor dem Fremden überwinden

Das macht einigen Menschen Angst. Sie fragen sich, ob genug Platz und Geld für alle da ist und fühlen sich in ihrer Identität davon bedroht, dass die meisten Geflüchteten aus für sie fremden Kulturkreisen kommen oder eine andere Religionszugehörigkeit haben. Die Folgen dieser Berührungsängste begegnen uns immer häufiger: Nach „not-in-my-backyard“-Manier wird versucht, Flüchtlingsunterkünfte zu verhindern (aktuell zu beobachten z. B. im wohlhabenden Hamburg-Harvestehude), in ganz schlimmen Fällen werden Gebäude angezündet (wie kürzlich in Meißen), rechtspopulistische Bewegungen wie Pegida haben starken Zulauf. Dabei ist zu beobachten, dass die hartnäckigsten Flüchtlings-Gegner sich dort finden, wo es bisher nur wenig ethnische Diversität gibt. Wir glauben: Gegen Ängste und Vorurteile kann man etwas tun, indem man Menschen zusammenbringt und sie die Möglichkeit haben, sich kennen zu lernen.

Wie? – Durch Stadtführungen als Ort der Begegnung

Wir haben auf den bisherigen Stadtführungen von (ehemals) obdachlosen Menschen erlebt, wie gut der Vorurteilsabbau bei persönlichen Begegnungen dieser Form funktioniert! Auch an uns selbst merken wir, dass wir obdachlosen Menschen noch offener und verständnisvoller gegenübertreten, als vor unserer Arbeit für querstadtein. Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen möchten wir nun auch Raum für Begegnung von geflüchteten Menschen und der Bevölkerung in Berlin ermöglichen, Brücken zwischen verschiedenen Lebenswelten schlagen und so zu einem toleranteren Miteinander beitragen. Wir wollen damit einen Beitrag dazu leisten, dass sich alle Menschen hier willkommen und als Teil der Gesellschaft fühlen können.

Den StadtführerInnen eine Perspektive geben

Gleichzeitig möchten wir geflüchteten Menschen die Möglichkeit geben, etwas an ihrer konkreten Lebenssituation und der öffentlichen Wahrnehmung ihrer Lage zu ändern. Viele von ihnen sind in Sammelunterkünften – häufig isoliert und am Stadtrand – untergebracht. Es ist oft schwer für sie, eine eigene Wohnung/Zimmer oder eine Arbeit zu finden und auch Freundschaften müssen neu aufgebaut werden. Als StadtführerInnen bei querstadtein werden sie Teil unseres Teams und bekommen Zugang zu einem Netzwerk unterschiedlicher Flüchtlingsinitiativen, z. B. in den Bereichen Arbeit, Wohnen oder (Rechts-)Beratung. Wir sind momentan dabei, ein solches Netzwerk aufzubauen, um Leute weitervermitteln zu können. Gebt uns also gern Tipps, mit wem wir in Kontakt treten sollten oder sprecht uns an, wenn ihr selbst in relevanten Bereichen tätig seid! Außerdem können die StadtführerInnen durch das Erzählen ihrer Geschichte dazu beitragen, das Thema Flucht auf eine neue und persönliche Art in die Öffentlichkeit zu tragen und dadurch viele Menschen für das Thema sensibilisieren.

Ihr könnt uns auf viele Arten unterstützen!

Dieser Sondernewsletter ist der Startschuss für querstadtein – Flüchtlinge zeigen ihr Berlin. Wir werden in den kommenden Monaten daran arbeiten, die ersten StadtführerInnen zu finden, Tourkonzepte zu entwickeln und uns immer tiefer in das Thema einzuarbeiten. Dafür suchen wir noch Unterstützung! Wir haben eine Projektleitungsstelle ausgeschrieben, die den Bereich mit uns aufbauen soll und sind außerdem auf der Suche nach neuen Ehrenamtlichen, die uns unterstützen möchten! Wir entwickeln die Touren gemeinsam mit den StadtführerInnen und brauchen insbesondere Leute, die gut darin sind und Spaß daran haben, Geschichten zu erzählen (eure dramaturgischen Fähigkeiten sind gefragt!) oder die Fremdsprachen wie Englisch, Französisch oder sogar Arabisch, Bosnisch, Farsi etc. sprechen – wir möchten niemanden wegen mangelnder Deutschkenntnisse vom Projekt ausschließen müssen.

Ein weiterer Punkt ist, wie so oft im Leben, das liebe Geld. Wir sind dabei, Mittel für die Umsetzung des neuen Vorhabens zu beantragen, aber es kann bekanntlich etwas dauern, bis das gelingt. Besonders in dieser Übergangsphase sind wir auf Spenden angewiesen. Unseren virtuellen Klingelbeutel findet Ihr hier. Oder werdet Mitglied im Freundeskreis von querstadtein und unterstützt uns regelmäßig mit einem Betrag eurer Wahl! Vielen Dank!

 

[Foto: Christian Schirrmacher / flickr (CC BY 2.0)]

 
 

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