Sonderaktion: querstadtein unterstützt den Kältebus
© Mathias Becker

Sonderaktion: querstadtein unterstützt den Kältebus

Es ist das letzte Novemberwochenende und es ist bedeutend kälter geworden in Berlin. Das spüren auch die Teilnehmer*innen der querstadtein‐Kältetour, die alle dick eingepackt gekommen sind, um Stadtführer Uwe Tobias in den nächsten zwei Stunden zuzuhören, wenn er von seiner Zeit auf der Straße erzählt. Mit der Sondertour unterstützt querstadtein den Berliner Kältebus.

An der Sandkrugbrücke bleiben wir an einer Parkbank stehen: „Draußen schlafen ist eine Kunst, vor allem im Winter bei minus 17 Grad!“ Uwe macht vor, wie man auf der harten Holzbank eine einigermaßen bequeme Position findet, und man merkt, wie die anderen ihre Kragen noch ein Stück höher ziehen und in diesem Moment niemand gern selbst auf der Bank liegen möchte.

Die Kältesaison – Obdachlosigkeit im Winter

Es sind Augenblicke wie dieser, die die Stadtführung mit Uwe so wertvoll machen. Man kann sich für eine kurze Zeit vorstellen, wie sich das Leben der vielen tausend obdachlosen Menschen in Deutschland zu dieser Jahreszeit anfühlen muss. Denn das ohnehin anstrengende Überleben auf der Straße wird durch die fallenden Temperaturen zusätzlich erschwert: Es gibt in dieser Kältesaison etwa 500 Schlafplätze pro Nacht in den Berliner Notunterkünften. Für die 3000 bis 5000 obdachlosen Menschen der Stadt wird das nicht ausreichen; viele müssen sich anders behelfen.

An der Spree erzählt Uwe, dass Notunterkünfte nie etwas für ihn waren: „Ich habe Platzangst – in Notübernachtungen war es für mich viel zu eng. Dann lieber draußen, immer schön eingepackt in zwei Decken: eine für die Füße und eine für die Nieren. Wenn die kalt sind, könnt ihr den Körper erstmal für ein paar Stunden vergessen. Das dauert ewig, bis man wieder warm ist.“

Ein Bus, der vor Kälte schützt

Die Kältetour fand in Kooperation mit dem Kältebus der Berliner Stadtmission statt. Von den Toureinnahmen wurden Schlafsäcke und Isomatten an den Bus gespendet. Der Bus ist seit zwanzig Jahren vom 1. November bis mindestens 31. März in der Stadt unterwegs und sucht gezielt wohnungslose Menschen auf, die es nicht mehr in eine Notübernachtung schaffen oder dieses Angebot nicht in Anspruch nehmen wollen. Idealerweise bringt der Bus die Menschen doch noch ins Warme, aber falls jemand nicht möchte, hat der Bus heiße Getränke und auch Schlafsäcke dabei. Den Kältebus könnt ihr rufen, wenn ihr euch Sorgen macht, dass jemand im Winter im Freien erfriert. Bitte sprecht die Person aber vorher an und fragt, ob Hilfe benötigt wird. So nehmt ihr die Leute ernst und ihr ruft den Kältebus nicht unnötig. Ihr erreicht den Bus Tag und Nacht unter der Nummer 0178 523 5838.

Vielen Dank an alle, die dabei waren und an die hartmannvonsiebenthal GmbH aus Berlin für die freundliche Unterstützung!